Nepal als Entwicklungsland - Die Sache mit dem Müll

Donnerstag, 01.02.2018

Gestern haben wir uns für die Kinder einen speziellen Walk überlegt bei dem sie währenddessen verschiedene Aufgaben erledigen müssen. Die wichtigste Aufgabe war diese: "Sammelt so viel Plastikmüll wie ihr könnt!" - nichts leichteres als das in unserer dreckigen Stadt. Da es eben Kinder sind und die nicht einfach mal so freiwillig Müll aufsammeln haben wir das Ganze als eine Art Challenge verpackt wobei sie neben der ersten Aufgabe noch alle parkenden Motorräder zählen und ein Foto mit einem Hund machen mussten. Bewaffnet mit einem riesen großen Müllsack und Handschuhen ging es los…und ob ihr es nun glaubt oder nicht, die Motivation war sogar so hoch, dass neben dem einen Müllsack sogar noch komplette leere Reissäcke bzw andere Plastiktüten die einfach auf dem Boden lagen mit Müll gefüllt worden sind.

              Beste Gruppe :)             

Stört es die Menschen nicht wenn sich direkt vor ihrer Haustüre oder im Hinterhof eine kleine Müllhalde befindet, die sie noch dazu selbst verursacht haben?

Vor 2 Monaten war ich im Dorf Nargakot zusammen mit unserer Didi bei ihren Verwandte(http://luisagoesnepal.auslandsblog.de/die-hochzeit-der-schoenste-tag-des-lebens/) und zu meiner Überraschung gab einen kleinen, schon ziemlich vollen Mülleimer direkt vor der Hütte. Am nächsten Tag war dieser leer. Die Tatsache, dass überhaupt ein Eimer da steht und sogar regelmäßig geleert wird lies in mir Hoffnung aufkeimen, dass das Müllproblem vielleicht nur in Kathmandu Oberhand gewonnen hat. Bis ich drei Schritte weiter lief und hinter den Mülleimer geguckt habe und gesehen habe wo sich unserer Kekstüten von gestern jetzt befinden: mitten unter einer wunderschön grünen Bananenpflanze!

Auf die Frage warum bekam ich erst einmal einen ziemlich verwirrenden Blick zugeworfen bis mir dann bewusst geworden ist, sie kennen es gar nicht anders! Sie wissen auch nicht, dass es in anderen Teilen der Welt anders ausschaut, geschweige denn eine Müllentsorgung gibt - für sie ist das also das normalste der Welt.

In Kathmandu stört es die Menschen vielleicht schon eher - sie haben schon anderes gesehen und bestimmt würden viele gerne in einem sauberen Umfeld leben. Da spielt leider das Geld wieder mal eine große Rolle. Denn jeder Miethaushalt muss für die Müllabfuhr selber zahlen, ist also auch selber verantwortlich dafür. Zahlt man nicht den hohen Betrag, der verlangt wird, dann kommt der Lastwagen eben einfach nicht. Wenn man wirklich am Rande der Existenzgrundlage lebt und auch dafür habe ich gleich ein Beispiel, dann ist das natürlich keine Überlegung wert denn da gilt einfach: Essen oder eine warme Decke ist mehr wert als die Müllabfuhr.

Slums in Kathmandu     

Doch hier im Hintergrund sieht man eine Villa - denn auch solche Viertel gibt es hier in Kathmandu. Warum es dann so ausschaut verstehe ich wirklich nicht:

  

Da fehlt dann einfach die Einsicht oder das fehlende Verständnis für die Umwelt. Vielleicht liegt das auch der Tatsache zu Grunde, dass zu wenig über die Notwendigkeit der Umweltschützung aufgeklärt wird. Die jüngere Generation, das sehe ich am Beispiel unserer Kinder, versteht schon vereinzelt, dass der Müll nicht einfach auf dem Boden geworfen wird. Das hat in unserem Haus auch einen sehr hohen Stellenwert, denn die Kinder hören den Satz "put it in the dustbin" tagtäglich von uns. Und auch in der Schule bzw, in den Schulbüchern wird ausführlich über das Thema Müll geredet doch da stellt sich wieder die Frage, was bringt das wenn die Kinder sowieso nur auswendig lernen und somit nicht verstehen beziehungsweise umsetzten können.

Trotzdem kann man in Ansätzen beobachten, dass das Müllprobem von der Regierung erkannt wurde: In Bhaktapur, das ist neben Kathmandu eine der drei Königsstädte vom Kathmandu Tal, habe ich bei meinem letzten Besuch überraschender Weise das hier entdeckt:

Hier ist es sogar so weit fortgeschritten, dass man von Mülltrennung sprechen kann. Natürlich, Bhaktapur hat Geld, die Stadt wurde finanziell nach dem Erdbeben sehr stark unterstützt - zum einen auch weil es eine Touristenattraktion ist. Doch ich sehe es als einen positiven Anfang an und genauso hoffe ich, dass unser Müllspiel wenigstens nur ein klein bisschen das Verständnis für unseren grünen Planeten bei den Kindern und vielleicht auch bei den verdutzt drein guckenden Nachbarn entwickelt hat.