Berichte von 01/2018

Happy Saraswoti

Dienstag, 23.01.2018

Saraswoti, the goddess of knowledge - natürlich ist das hier in Nepal und im Haus der Hoffnung einer der wichtigsten hinduistischen Feiertage. An dem Tag verehren vor allem Schüler aber auch Künstler und Musiker die Göttin Saraswoti, da sie ihre Ausbildung ihr zu verdanken haben. Bücher, Stifte, Hefte alles wird verehrt und bekommt sogar eine Tikka von den Schülern. Ich habe es leider nicht mit eigenen Augen gesehen doch finde ich diese Geste schon ziemlich amüsant. Eine Besonderheit hat dieser Tag auch vor allem für die Schulanfänger. Sie schreiben an diesem Tag ihren allerersten Buchstaben und zwar an den Saraswoti temple in Swyambhu. Es heißt, dass dieser Tag auch der Beste ist um neues auszuprobieren und neues zu erlernen. Das habe ich natürlich auch gleich ausprobiert und habe meinen unglaublich großen Nepali-Wortschatz um einiges erweitert ;) tongue-out

Doch jetzt einmal zu unseren Kids. Wir wurden nämlich zu diesem besonderen Anlass eingeladen mit in die Schule zu kommen um das Fest mit ihnen zusammen zu feiern. So ging es dann also letztendlich schon um 7 Uhr morgens los, nachdem wir erstmal eine Stunde um 6 Uhr im Hof standen und verdattert geguckt haben als die Kinder noch nicht bereit waren so wie eigentlich ausgemacht und stattdessen Film geschaut haben… typisch Nepali time eben.

Die Fahrt mit dem Schulbus war mal wieder ein Highlight an sich und mit 5 lachenden Kindern auf dem Schoß ist der Ärger über das viel zu frühe Aufstehen auch schon wieder vergessen. In der Schule wurden wir wieder mit einem herzlichen Namaste (Hallo auf Nepali) von den Lehrern begrüßt und waren gleich wieder mittendrin bei unseren Kindern.

An diesem Fest gab es in der Schule keine so große besondere Zeremonie. Jeder Schüler und auch wir bekamen auch eine Tikka von den Lehrern, dann gab es Essen und am Ende haben verschiede Schülergruppen getanzt und auf der Bühne performt - natürlich war ich ganz stolz als auch unsere Mädchen und Jungs auf die Bühne kamen und so richtig gezeigt haben was sie so alles geübt haben! Und dass wir Volunteers natürlich für die beste Stimmung überhaupt gesorgt haben könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen und ich glaub auch den Kindern hat es richtig gut getan in der "Öffentlichkeit" so eine Anerkennung zu bekommen.

Hier ein paar Fotos: (bitte auch die Bildunterschriften beachten - kommen wenn man auf das Foto klickt) laughing

im Schulbus

Smiti und Smit (Geschwister)

Dikshya bekommt ihre Tikka

mit Adam

scharfes Kartoffel-Blumenkohlgemüse mit süßem Brei und Obst

Das Fest

Das Schulgebäude

Hahaha genauso läuft es in Nepal im Straßenverkehr ab (ein Bild an der Schulwand)

 

 

Die Hochzeit - der schönste Tag des Lebens?

Donnerstag, 11.01.2018

Ganz spontan wurde ich Anfang Dezember von unserer Didi auf die Hochzeit der Nichte von ihrem Ehemann eingeladen (es wird noch komplizierter… :)). Ich konnte es gar nicht fassen, doch viel Zeit zum aufgeregt sein blieb nicht denn am nächsten Tag nach dem Frühstück sollte es auch schon losgehen in das Dorf Nuwakot, wo die Hochzeit stattfindet. Dann hieß es plötzlich um 6 Uhr morgens wir fahren in 10 Minuten los und noch völlig verschlafen standen wir 5 Volunteers bereit am Tor und warteten und warteten…es wäre schon auch ziemlich untypisch wenn in Nepal mal etwas früher losgeht als ursprünglich mal geplant.

Nun ist das ja jetzt das erste Mal, dass ich in ein nepalesisches Dorf gehe (abgesehen von meinen Wanderungen) und dort endlich das ganz einfache nepalesische Dorfleben kennenlerne. Es gibt einfach eine Straße, an der sich das komplette Leben abspielt. Ob Kinder oder ältere Opas, Schüler oder Ladenbesitzer - es scheint als trifft sich wirklich jeder hier um einzukaufen, auf den Bus zu warten oder einfach nur dazustehen und zu gucken. Genau das letztere ist wirklich eine Lieblingsbeschäftigung der Bewohner hier. :) Auch wir kamen natürlich an dieser Straße mit dem Bus an und zogen gleich unzählige Blicke auf uns. Man kann es ihnen aber auch nicht übel nehmen, denn wie wir mit unseren großen Wanderrucksäcken und Schlafsäcken aus dem Bus gestolpert kamen und dann plötzlich mitten drin standen muss für sie schon ein äußerst komisches Bild gewesen sein.

Mein Zuhause für die nächsten drei Tage war eine kleine Lehmhütte ein gutes Stück unterhalb dieser Straße mitten in Reisfeldern. Es gab genau zwei Räume: sozusagen ein Schlafzimmer wo einfach alle die anwesend waren mehr oder weniger geschlafen haben und in dem anderen Raum wurde gekocht. Als wir ankamen wurden wir gleich so herzlich empfangen und unzähligen Familienmitgliedern des Ehemanns von Binu Didi vorgestellt. Mit der Verständigung war das immer so eine Mischung aus Englisch, Nepali und den Einsatz sämtlicher Körperteile…was dann im Endeffekt mit der Hilfe von Dyksha, der Tochter von Binu Didi als Übersetzerin ganz gut geklappt hat.

Die Lehmhütte   Das Überbleibsel des Hauses vor dem Erdbeben, direkt hinter der Hütte   Das Klohäuschen   Wunderschön gelegen mitten im Grünen  

Schon früh am Nachmittag haben die Frauen Gemüse genschnitten und geputzt während die Männer das dann bei der Feuerstelle neben dem Haus gekocht haben. Auch für das Kochen wurde sich so viel Zeit genommen, keiner hat Stress gemacht und auch die 2 Hühner konnten noch für eine Weile den Duft des Essens genießen bevor es dann für sie ab in den Topf ging ( zu meinem großen Beileid muss ich an dieser Stelle dazu sagen). Und am Ende war das Dal Bhat wirklich fantastisch lecker, weil es doch total anders gewürzt war wie im Haus daheim. Ich war erst total verwirrt und habe mich ziemlich komisch gefühlt, denn wir fünf Volunteers haben als erstes Essen bekommen und die anderen haben dann erst viel später gegessen. Doch daran mussten wir uns gewöhnen, weil das ging die nächsten Tage immer so weiter.

Frauen beim Gemüse schneiden  Kochen bei der Feuerstelle - nicht zu vergessen auf dem Bild: Die tolle Hauskuh in ihrem Stall   Endlich :)

Ziemlich erschöpft von dem Tag machten wir es uns mit unseren Schlafsäcken auf dem Boden zusammengedrängt mehr oder weniger gemütlich und hofften auf eine ruhige Nacht (so dachten wir zu mindestens). Das dann die Nacht von ohrenbetäubender Musik, zu der die anderen draußen die ganze Nacht getanzt und gesungen haben, begleitet wird haben wir auch nicht wissen können. ;)

Links auf dem Boden haben wir Volunteers unsere Nacht verbracht

Der Hochzeitstag

Ein Tag bei dem alle Verwandten und Freunde schon morgens aufgeregt durch die Gegend laufen - nein nicht hier in Nepal. Auch hier war wieder Gelassenheit pur angesagt.  Und da auch niemand so richtig was mit uns anfangen konnte nahm uns der Ehemann von Binu Didi vor dem Frühstück noch mit auf einen Spaziergang. Wir dachten alle wir laufen vielleicht so ein bisschen in den Reisfeldern herum - doch daraus wurde eine Hügelbesteigung und da wir ja schon unsere Kurtas (traditionelle Gewänder) anhatten gestalte es sich doch als ein bisschen schwierig. 

Sonnenaufgang   Auf dem Walk durch das Dorf   Die Hauptstraße oberhalb der Hütten   Wir machen uns an die Gipfelbesteigung...   ...ein Glück schafften es unsere Mädchen auch mit ihren festlichen Hochzeitsschuhen   Es hat sich durchaus gelohnt :

 
Als wir dann endlich wieder am Haus ankamen hat sich tatsächlich etwas getan:
???
Das hier wurde vorbereitet, was es war und wozu es dient konnte uns keiner sagen. Eins war jedoch sicher, es handelt sich auf jeden Fall um Opfergaben an die Götter und es wird bestimmt bei der Hochzeit eine wichtige Rolle spielen.  Gegen Mittag kamen dann die ersten Gäste an, auch der Bräutigam kam mit seiner Verwandtschaft und alle warteten nun noch auf die Braut. Und diese kam dann auch. Wunderschön war sie in einen roten Sari gekleidet und unter dem Schleier über ihrem Gesicht konnte man das starke Makeup noch gut erkennen. (Bilder von ihr kommen noch nach).Von Binu Didi wurde sie .zu der geschmückten Stelle geführt, die sich nun als den Ort der Trauung herausstellte und der Bräutigam und alle anderen warteten schon gespannt. Dann folgten einige Zeremonien von denen ich leider sehr wenig verstehen konnte - mal wieder aufgrund der Sprachbarriere... 
Irgedwann nach einiger Zeit folgte dann auch ein sehr leckeres Essen.
Wir bekamen wieder als eine der ersten Essen, ich habe das Gefühl dass wir teilweise die größere Aktion als die Braut selber waren...  ? Auffallend war, dass mit uns nur die Männer gegessen haben, bevorzugt auch nur die männlichen Verwandten des Ehemanns - die anderen erst eine ganze Weile später. Das zeigt dann mal wieder, dass dadurch das sie reicher sind auch wieder höher gestellt werden.   
Die Braut verweilte immer noch am gleichen Fleck mit der gleichen sehr traurigen Miene als nach dem Essen die Geschenke überreicht wurden.  Wirkliche Freude hat sie in diesem Moment auch nicht ausgestrahlt, den Blick immer nach unten gerichtet hat sie jedes Geschenk einmal berührt - ihre Augen strahlten unverändert Traurigkeit aus.  
Kurz danach war scheinbar Aufbruchstimmung angesagt und damit mussten wir unvorbereitet mitzugucken wie die Braut weinend in einer Holzkarre weggetragen wurde.  Danach war die Stimmung kurzzeitig gekippt, die Verwandten weinten und auch für uns Volunteers war dieser Anblick mehr als erschreckend und wir waren erstmal ziemlich niedergeschlagen und geschockt.
 Die Füße der Braut werden gewaschenVerwandte und die Nachbarn wurden eingeladen    Die Braut und der Bräutigam   Fried rice mit Kokusnuss, scharfe Kartoffeln, Kichererbsen, Krabbenchips, Pickle...alles was das nepalesische Herz begehrt und mittlerweile auch meins :)
 
Doch kurze Zeit später dröhnte wieder nepalesische Musik und es wurde bis tief in die Nacht getanzt...jaa auch ich kann jetzt schon die tollsten Nepalitänze...naja so ein bisschen zumindest ? 
 Das man dann so viel Spaß hat und das eigentlich in einer komischen Situation da die Hauptpersonen nicht mal mehr anwesend sind ist schon etwas das schwer zu verstehen ist. 
Partytime  
 ‎
Wenn ich jetzt eine arrangierte Hochzeit zu der Farbe weiß oder schwarz zuordnen müsste würde ich im Moment dunkelgrau sagen. Natürlich, einer Frau, die aus ärmlicheren Verhältnissen stammt, kommt ein reicher Mann auf längere Sicht finanziell gesehen sicherlich zul Gute. Und es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass aus der Ehe noch richtige Liebe füreinander entsteht, wie zum Beispiel bei unserer Didi und ihrem Ehemann gesehen. 
Doch im Moment ist diese Art der Heirat immer noch sehr befremdlich für mich.  Vielleicht lag es an der Tatsache, dass wir unvorbereitet in so eine Situation hineingeraten sind, vielleicht auch einfach zu wenig verstanden haben, vielleicht auch einfach der Gedanke an unsere Hochzeiten die so oft die schönsten Tage des Lebens sind. Ob es das auch ist wenn die Braut an diesem Tag immer den Tränen nahe ist und das nicht vor Glück?!  
 
Auf jeden Fall waren diese Tage im Dorf und die Hochzeit eines der aufregendsten Erlebnisse hier in Nepal und ich habe so viele unglaublich liebe Menschen kennengelernt. Wie ich mich mit jemanden verständigen kann obwohl ich kein Nepali und er kein Englisch sprechen kann fragt ihr euch? Ganz einfach - nämlich mit diesem Lächeln egal ob von jung oder alt: