Berichte von 09/2017

Auswendiglernen über Auswendiglernen

Freitag, 29.09.2017

Nepalesen sind schon wirklich richtige Fleißbienchen! Wenn man bei den älteren im Haus in den Study Room kommt kann man sich sicher sein, dass egal zu welcher Zeit immer mindestens ein Kind da sitzt und lernt. Ich bekam das natürlich auch in extremer Form mit da die letzten zwei Wochen die Examen der Kinder stattfanden. Da ist mir schon wirklich so einiges ungewohntes aufgefallen…wink

 Die Kinder des Haus der Hoffnung gehen auf die SEB (Samakhushi English Boarding school), die sie auch 6 Tage die Woche besuchen. Die nepalesische Arbeitswoche hat generell 6 Tage und beginnt immer Sonntags, Samstag ist dann folglich immer der Feiertag). 10 Tage am Stück wurde in der Schule jeden Tag ein anderes Fach geprüft - und das sowohl für die allerkleinsten (z.B. 2.Klasse) als auch für die älteren Schüler. Also hier schreibe ich einmal an alle Schüler: Beschwert euch nie wieder wenn ihr zwei Klausuren in einer Woche schreibt ;). Vor allem für die kleineren stelle ich mir das ziemlich anstrengend vor, doch von Aufregung oder Panik vor den bevorstehenden Arbeiten war bei niemanden etwas zu sehen - zu mindestens zeigten sie es nicht.

Nun aber zu der absolut abwechslungsreichen Lernstrategie der Kinder: Die zu lernenden Sätze entweder hundertmal extrem laut vor sich hin sagen (20 Kinder alle gleichzeitig in einem Raum yell) oder hundertmal abzuschreiben. Dabei werden auch die Aufgabenstellungen mit auswendig gelernt, damit man ja sicher auch die richtige Antwort zu der Frage weiß. Ich fand es schon echt schockierend als ich ein Wort in der Fragestellung verändert habe und die Kinder entweder die Frage nicht beantworten konnten oder mich verbesserten "there's something missing aunty". Das bedeutet , dass die Kinder nicht lernen in irgendeiner Form Transfer zu leisten da auch in den Klassenarbeiten exakt dieselben Aufgaben gestellt werden. Zudem kommt noch, dass die Bücher teilweise mit vielen Fehlern überhäuft sind was dazu führt das diese natürlich von den Kindern mit auswendiggelernt werden. Wenn ich sie dann verbessere wenden sie das für die nächsten 10 Minuten an, haben dann aber spätestens am nächsten Morgen wieder den Satz mit dem gleichen Fehler vom Buch gelernt. Das ist teilweiße schon ein bisschen frustrierend doch freue ich mich jedes Mal wenn meine Kids motiviert zur Study time kommen.

Von den Fächern her unterscheidet sich es nicht viel von Deutschland. Da die Kinder auf eine englische Schule gehen wird eben viel Wert auf das Erlernen der englischen Sprache gelegt. Deswegen gibt es English Grammar als einzelnes Fach und English Writing ebenso. Sonst Mathe, Nepali, Social (da lernen die Kinder richtige Verhaltensweisen in der Gesellschaft) und Landeskunde von Nepal.

Besonders erstaunt hat mich das Fach Computer als ich das einmal mit meinen Kids lernen musste. Das Thema war gerade das Microsoft Programm Word. Neben dem was Word ist und welche Funktion es hat, war im Buch auch genauestens beschrieben wie man die Schriftart ändert oder ein Bild einfügt. Und jeder einzelne Schritt (siehe Bilder) wird natürlich von den Kindern auswendig gelernt. Der Witz beziehungsweise das Problem ist, dass die Kinder auch genau so etwas schriftlich abgefragt bekommen - ohne dass sie es vorher am Computer hätten ausprobieren können :)Ich konnte jetzt hier nur von meinen Erfahrungen bei den kleineren Kids berichten, da ich mit den größeren noch nicht so viel zu tun hatte.

Das theoretische Word    Und weitere Erklärungen... :)    

Jetzt sind jedoch seit einer Weile Ferien und das große Dashain Festival steht morgen bevor. Warum die Ferien doch überraschender Weiße anders verlaufen sind als geplant werde ich euch in meinem nächsten Eintrag berichten.

Liebe Grüße an alle aus dem sommersonnigen Katmandu :)

Mein typischer Tagesablauf - der doch von Tag zu Tag unterschiedlich ist :)

Mittwoch, 20.09.2017

Im Moment kann ich gar nicht über meinen normalen Tagesablauf berichten da seit meiner Ankunft im Haus der Hoffnung Examen von den Kindern sind. Doch werde ich versuchen ein bisschen über meine momentanen Tätigkeiten zu erzählen.

Also der Tag beginnt für mich um 6:15 mit der Study time. Wir Volunteers helfen da den Kindern mit Hausaufgaben und lernen mit ihnen auf ihre bevorstehenden Klassenarbeiten. Anschließend machen wir ein paar exercises mit den Kids, meist sportliche Übungen und Spiele bis es dann das erste Mal am Tag zum Frühstück Dal Bhat gibt. Nachdem sich dann alle Kinder Hände gewaschen und Zähne geputzt haben wird sich so langsam für die Schule fertig gemacht. Wenn jedes Kind dann ihre Schulkleidung anhat begleiten wie sie um 11 Uhr zum Bus und haben dann bis 14 Uhr frei. In dieser Zeit waschen wir unserer Wäsche, chillen auf der Dachterrasse, überlegen uns Spiele für die nächsten Tage, planen Trekkingtouren und unternehmen natürlich auch den ein oder anderen Ausflug. :) Wenn die Kinder wieder im Haus sind gibt es erstmal Tiffin (kleinen Mittagssnack) und anschließend gehen wir meist auf einen Walk, wo die Kinder dann mal die Möglichkeit haben sich auszutoben. Bis zur nächsten Study time um 16 Uhr wird getanzt, Ball gespielt, Trampolin gehüpft oder wir machen einfach kleine Rhythmusspiele mit den kleinen - das hängt ganz von uns Volunteers ab.

Danach wird nochmal ordentlich gelernt und Prüfungsstoff wiederholt, ein paar sportliche Übungen gemacht bis es dann Abendessen um 18 Uhr gibt. (natürlich meistens Dal Bhat laughing). Die Kids werden noch einmal geknuddelt von uns und dann geht es für sie ab ins Bett. Wir Volunteers lassen dann den Tag entweder auf der Dachterrasse ausklingen, schauen gemeinsam Filme oder kriechen auch den ein oder anderen Tag doch schon um neun ins Bett…

Ihr müsst euch das jedoch so vorstellen, dass es alles überhaupt nicht zu genauen Zeiten stattfindet sondern vielmehr unterschiedlich von Tag zu Tag ist. Mal warten wir eine Stunde auf das Tiffin, die Study time fängt doch ein bisschen später an oder die Kinder kommen später von der Schule nach Hause. Man übt sich hier also in Geduld - was ein schöner Ausgleich zu dem durchgetakteten Alltag Zuhause ist :)

Dal Bhat      Kids in Schuluniform       Walk zur Spielwiese       Walk mit den Kids zu einem hinduistischen/ buddhistischen Tempel        Walk zu einem hinduistischen/ buddhistischen Tempel       Mit unseren kleinsten :)

 

Hin nach Thamel und auch wieder zurück?

Montag, 18.09.2017

Heute wollten wir mal wieder in unseren freien Zeit nach Thamel, das Touristenviertel Katmandus. Wir waren nun schon zweimal dort und so haben wir beschlossen, dass wir jetzt auch ohne die "alten" Volunteers hinfinden. Nun ja, hinfahren ging ganz ohne Probleme. Nachdem wir die Kids zum Schulbus gebracht hatten sind wir gleich in den nächste Mikro eingestiegen. Mit diesen Bussen fahren grundsätzlich selten Touristen, weil sie nicht sehr verkehrssicher sind, es keinen Fahrplan gibt und sie einfach irgendwo halten.wink  Doch ist es ziemlich lustig mitzuerleben wie alle Menschen einfach aufeinander gestapelt und zusammengequetscht versuchen eine bequeme Position zu finden während sich der Mikro kreuz und quer durch den Verkehr schlängelt. Angekommen in Thamel, natürlich an einer völlig anderen Stelle wie das letzte Mal, bummelten wir ein wenig durch die unzähligen Lädchen in denen bunte Klamotten, schöne Stoffwaren und gefälschte Trekkingwaren angeboten werden. Obwohl es schon touristisch ist, bekommt man alles für sehr wenig Geld. Ihr müsst euch immer noch ein hektisches und chaotisches Treiben vorstellen - es gibt also keineswegs Ähnlichkeiten mit Touristenvierteln in Europa. Hier gönnen wir uns hin und wieder auch mal "westliches" Essen - man braucht echt manchmal Abwechslung von Reis :)

Nun wollten wir aber wieder heim, da bald die Kids von der Schule heimkamen und machten uns auf den Weg zu der Stelle, wo der Mikro heute Morgen gehalten hatte. Wir riefen unseren "Bushaltestellenname" zu, doch es hieß immer "No, no maybe the next one!" So standen wir nun eine halbe Stunde da, neben der Hauptstraße und waren auf der Suche nach einen Bus, der uns mitnahm…bis uns eine nepalesische Frau mitteilte hier fahre grundsätzlich nie einer nach Dhapasi (mein Wohnort). Und dann irrten wir ein wenig durch enge Gassen und fanden uns dann auf unserer ursprünglichen Haltestelle wieder. Doch die Straße wurde renoviert, das hieß auch hier kein Mikro. Keine Ahnung wie wir dann irgendwann doch einen gefunden haben der uns mitnahm, doch waren wir ziemlich erschöpft als wir Zuhause ankamen. Doch Pause ist vorbei…die Kinder kommen wieder ;)

Die Micros     Verkehr      Thamel      Banana Pancake :)     Die Suche nach dem Mikro     Gassen und Treppengewirr

Meine doch etwas chaotische Anreise und die ersten Eindrücke

Donnerstag, 14.09.2017

Planmäßig hätten wir direkt am nächsten Tag nachmittags ankommen müssen…doch dann lief das alles ein bisschen anders.

Insgesamt waren wir dann doch glatte 44 Stunden unterwegs: 4 Stunden Zug, 7h Flughafen Frankfurt, 6h im Hotel in Wiesbaden, nachdem der Flug gestrichen worden ist, dann endlich 7h im Flieger nach Delhi, 15h am Flughafen in Delhi, da wir natürlich unseren Anschlussflug nicht mehr bekommen haben, 2h im Flieger nach Katmandu, wo man viel Zeit hatte sich mit einem äußerst netten Inder zu unterhalten und dann schließlich sind wir nach 2h Stunden an unserem Haus angekommen…dennoch nur mit zwei von vier Koffern. ;)

Sonnenaufgang                 Himalaya  

Nun aber mal zu meinen ersten vier Tagen hier in Katmandu, der Stadt in die ich mich schon jetzt ziemlich verliebt habe. Allein die Taxifahrt zum Self Help Nepal (SHN, Haus der Hoffnung) war ein Abenteuer. Denn alles was zwei bis vier Räder und mindestens mal einen bis vier Füße hat, drängt sich aneinander vorbei. Ich bezweifele auch das es ein nepalesisches Wort für Anschnallgurt oder Verkehrsregeln gibt , davon scheint nämlich noch niemand hier etwas gehört zu haben. Busfahrten sind auch schon ein Erlebnis für sich ( hatte meine erste noch an meinem Ankunftstag) aber das erzähle ich in einem der nächsten Einträge noch genauer :)

Untergebracht bin ich jetzt im neuen Haus, also in dem wo die Kinder von 5 bis 13 Jahren wohnen, zusammen mit 7 anderen Volunteers. Wir haben so ein Art Apartment, sogar mit eigener Küche im obersten Teil des Hauses. Dadurch haben wir einen wirklich atemberaubenden Blick auf unsere Umgebung und sehen im Hintergrund auch die Berge des Katmandu Valleys :)

Ausblick von unserer Dachterasse           Katmandu und Berge des Katmandu Valleys          Unsere Küche :)         Unser Zimmer mit Ausblick auf Katmandu    

Das     

Ansonsten habe ich schon meinen ersten Dal Bhat, das Nationalgericht der Nepalesen am frühen Morgen gegessen (ich liebe es mittlerweile :) ) und mich mit kaltem Wasser unter einem hüfthohen Wasserhahn geduscht, was mit der richtigen Technik wirklich erstaunlich gut geht. Ich habe auch schon meine erste Wäsche mit der Hand gewaschen, zwar noch nicht so professionell wie unsere Didis (Hausmütter) aber Spaß macht es auf jeden Fall. Es ist wirklich ein tolles Gefühl so unglaublich viele strahlende Kindergesichter zu sehen auch wenn man nur 50 mal hintereinander das gleiche Rhythmusspiel macht. Sonst hab ich auch schon einige schöne Stunden auf unserer Dachterrasse mit den anderen Volunteers und mit einem atemberaubenden Blick auf Katmandu und die umliegenden Berge verbracht - wirklich schön um den Tag ruhig ausklingen zu lassen.

Meine lieben Kidis (:    

So, das sind jetzt meine Eindrücke von der ersten Woche hier…  Wenn es das Internet zulässt, dann werde ich euch bald mal meinen Tagesablauf hier im Haus der Hoffnung berichten und erzählen wie die anstehenden Ferien mit den zwei nepalesischen Festen Dashain und Tihar verlaufen sind.

 

 

Endlich - es geht los!

Mittwoch, 06.09.2017

Man glaubt es kaum aber nun ist es endlich so weit. All die schönen aber auch total traurigen Abschiede von meinen lieben Freunden und zuletzt jetzt auch von meiner Familie ( ich möchte ich hierbei nocheinmal ganz herzlich bei allen Abschiedsgeschenken bedanken)  machen das weggehen natürlich sehr schwer doch im Moment bin ich einfach nur glücklich, dass ich endlich das machen kann was ich mir seit vielen Jahren gewünscht habe. 

4 Stunden habe ich von meiner langen Reise bereits hinter mir ... 4371 Stunden voller Freude, neuer Entdeckungen, Zuversicht, ein paar wenigen Minuten Traurigkeit und des Glücksgefühls liegen noch vor mir :)
Nun heißt es warten am Flughafen auf meine Mitfreiwilligen, damit wir dann endlich losfliegen können.
Bis zum nächsten mal dann aus Kathmandu ?

Wohin gehe ich eigentlich?

Sonntag, 03.09.2017

…Nepal, aha schön , wo liegt das denn?

…ist das nicht irgendwo da bei Indien?

…NEAPEL, warum denn bitte als Freiwilliger nach Italien?

…ich dachte das liegt irgendwo in Afrika, warum redest du jetzt vom Himalaya…?

Nun ja, als das waren einige Kommentare als ich euch von meinem Freiwilligendienst erzählt habe. tongue-out Nepal ist umrandet von den zwei dominanten Ländern Indien und China und grenzt nebenbei noch an Bangladesch und Bhutan, hat somit keinen Anschluss zum Meer - liegt also in Asien. ;)

In drei Tagen ist es nun soweit und ich denke es ist mal an der Zeit euch so einiges über die Organisation, die mich fleißig unterstützt, zu berichten.

Der Verein „Haus der Hoffnung – Hilfe für Nepal e.V.“ wurde vor 19 Jahren als Privatinitiative von Ellen Dietrich ins Leben gerufen und 2002 begann der Verein ein Projekt in Kathmandu auf die Beine zu stellen, das mittlerweile mehr als 180 Kinder und Jugendliche umfasst, die Voll- oder Halbwaisen sind oder aus sehr armen Familien stammen. Das Haus der Hoffnung besteht aus zwei gemieteten Häusern in Kathmandu im Stadtteil Dhapasi, sowie zwei Wohnungen für Studierende, die stets noch vom Verein unterstützt und begleitet werden. Die Kinder werden von einer einheimischen Familie und natürlich auch von uns Freiwilligen liebevoll betreut und können so in familienähnlichen Strukturen aufwachsen und leben.

Nun liegen noch die drei letzten Tage vor mir und die Aufregung aber auch die Vorfreude steigt enorm. Auf der einen Seite schleichen sich Gedanken durch meinen Kopf… bin ich jetzt wirklich bereit für eine doch lange Zeit in ein sehr fremdes Land zu gehen, wie werde ich mit der Armut umgehen können, werden mich die Kinder dort gut aufnehmen? Dann jedoch wird mir so viel Schönes von den anderen Praktikanten, die schon eine Weile im Haus der Hoffnung verbringen, erzählt und die Gedanken verfliegen ein Glück so schnell wie sie gekommen sind. :)

Jetzt genieße ich noch die letzten Tage mit deutschem Essen, meinen Freunden und natürlich meiner lieben Familie.