How lucky I am to have something that makes saying goodbye so hard! - Winnie the Pooh

Freitag, 16.03.2018

Und das wahrhaftig! Vor einer Woche wurde ich wieder in diese deutsche Welt geworfen, meinem ursprünglichen Zuhause und ich muss sagen ich habe mich immer noch nicht vollständig von meinen lieben Kindern, meinen Mitfreiwilligen, meinen neuen Freunden verabschiedet und das wird wahrscheinlich auch noch eine Weile dauern. Doch von den Erinnerungen, von den unglaublichen Momenten wenn man es bis auf einen Gipfel im Himalaya geschafft hat ,von den schlechten Zeiten bei Krankheiten und Unsicherheiten, von diesen ausdrucksstarken Kinderaugen, die immer noch strahlen egal welch schreckliche Hintergrundgeschichte dahinter steckt, von den unglaublichen liebenswerten Nepalesen denen ich begegnet bin, die die Hoffnung nie aufgeben und einfach mit kompletter Überzeugung ihr Ding machen, von dieser verrückten tollen Welt die mein neues Leben für 6 Monate geworden ist - davon werde ich mich nie verabschieden sondern es wird immer ein Teil in meinem Herzen sein! 

Ich konnte mir vor einem halben Jahr so einiges nicht vorstellen:

…Wer hätte gedacht wie einfach es sein kann auf eine warme Dusche zu verzichten oder wie man Dal Bhat 180 Tage hintereinander jeden Morgen und Abend essen und es immer noch lieben kann?

…Warum quetsche ich mich in einen Kleinbus zusammen mit anderen 30 Nepalesen und bin einigen davon so nahe wie man es normalerweise vermeiden würde und warum zur Hölle fahren da auch noch Ziegen mit und kann ich mir sicher sein, dass diese Klapperkiste mit dem 16-jährigen Schuljungen am Steuer mich wirklich von A nach B bringt? Ja so macht es doch jeder also warum nicht auch wir, ist doch ganz normal – irgendwie muss man ja nach Hause kommen und mit der richtigen nepalesischen Musik hat das Ganze auch schon seinen Charme (naja vielleicht auch nur die ersten 30 Minuten…).

… Wofür braucht man schon Pläne – die gehen sowieso nicht auf zu mindestens nicht bei 140 nepalesischen Kids und wenn’s dann doch geklappt hat dann muss ich sagen war ich schon fast so stolz wie eine Mutter.

…Warum gibt es diese Tage an denen man aufgeben möchte, man sich fragt ob man es wirklich noch 3 oder 4 Monate hier aushält. Weil man an solchen Tagen einfach in einer komplett anderen Welt gefangen ist, die einem auch zu viel werden kann. Doch zum Glück waren es nicht viele Tage und meistens ging es dann doch schnell wieder vorbei. Ich bin ja ganz ohne Zwang nach Nepal gereist, ich war ja freiwillig hier und genau deswegen konnte man sich dann nach einer gewissen Zeit wieder aus diesen Tiefs hinaushangeln.

…Wie wird es wenn ich 24/7 mit 14 anderen Volunteers zusammen bin? Wenn man mitten auf 4900m auf irgendeinem Weg auf irgendeinem Berg steht, mental und körperlich einfach nicht mehr kann oder wenn einem dann doch die Kultur oder eine Krankheit den Strich durch die Rechnung macht dann hatten wir wenigsten uns und haben uns Kraft gegeben und uns gegenseitig vertraut. Am Ende hatte ich so eine unglaubliche Volunteergruppe mit der ich wahrhaftig durch dick und dünn gegangen bin, alle Herausforderungen – auch oft mit Tränen gemeistert habe und einfach so wahnsinnig viel Spaß hatte!

Ich hätte niemals gedacht, dass man sich so schnell an gewisse Umstände gewöhnt. Doch Nepal, dieses Land, diese Leute sind mir ans Herz gewachsen und ich hab eine zweite, ziemlich große Familie am anderen Ende der Welt gefunden, die ich über die Zeit so richtig liebgewonnen habe.

An dieser Stelle möchte ich Schluss machen und danke sagen an meine lieben Eltern, meine Verwandten, meine Freunde die in so vielen Situationen an mich gedacht haben, danke für die vielen Kommentare die mir eine gewisse Bestätigung gegeben haben und ich hoffe dass ich euch einen kleinen Einblick in meine spannenden  6 Monate in Nepal geben konnte.

täglicher Blick von dem Haus von den kleinen    das anstrengende Waschen mit der Hand oder auch Füßen ;)    Dhapasi height (meine Umgebung)    und darunter war einmal ein komplettes Dorf, jetzt nur eine Steinwüste vom Erdbeben    viele schöne Feste    und da hatten wir es geschafft...    on the top (tsergio ri 4984m)        Dhirendra, Sagar und Himal - eine absolute Traumgruppe    Paragliding in Pokhara    Kloster Namobhoudha    werd euch vermissen!    Goodbye

Reis, Reis und nochmal Reis

Mittwoch, 28.02.2018

Und ja ich muss sagen ich habe inzwischen nach fast 6 Monaten 2x am Tag Dal Bhat essen satt. Und dabei geht es gar nicht um das Dal Bhat persönlich denn das liebe ich und jeden Morgen und Abend freue ich mich wieder unglaublich darauf doch mein Magen sehnt sich trotzdem langsam mal nach einem Käsebrot, Omas geliebten Kartoffelssalat und Brezen.

Nun wisst ihr ja schon seit dem ersten Blogeintrag, dass ich jeden Morgen und Abend Dal Bhat esse doch habt ihr euch bestimmt schon gefragt was zur Hölle das denn jetzt genau ist?

Also Dal bedeutet übersetzt Linsen, das heißt zu dem Bhat, was auf Nepali Reis bedeutet, gibt es immer eine gelbgrüne Linsensoße. Nur diese zwei Sachen zusammen an sich schmecken grundsätzlich mal nach nichts, denn der Reis ist gar nicht gewürzt und auch der Dal nur mit ein klein wenig Salz verfeinert. Doch was wäre das Leben ohne das geliebte Tharkari. Was ist denn das jetzt schon wieder? Übersetzt bedeutet es Gemüse. Und genau das Gemüse bietet die Abwechslung bei der ganzen Geschichte. Denn es gibt Blumenkohl, Kartoffeln, Kürbis, Zucchini, Mangold und ab und zu Ei in den verschiedensten Varianten (huch das ist ja gar kein Gemüse…naja gehört bei den Nepalesen einfach auch zu Tharkari). Tharkari ist für den Geschmack zuständig, denn an Salz und ordentlicher Schärfe wird nie gespart… zum Glück. An das scharfe essen habe ich mich definitiv gewöhnt denn sogar das Pickle esse ich mittlerweile in großen Mengen ohne mit der Wimper zu zucken. Das sind Karotten, Äpfel, Essiggurken, Zwiebel, Chilli kleingeschnitten mit jeder Menge Chillipulver und anderen Gewürzen - das mischt man dann wie alles andere schön zusammen bevor man es dann mit der rechten Hand in seinen Mund schaufelt…ein Genuss!

Dal Bhat mit ...Blumenkohl und Pickle   ...mit Mangold   ...mit egg curry beim Tkarkari kochen 

 Zweimal in der Woche gibt es auch Razma. Das ist eine Bohnen-Tomaten-Chilli Soße die es entweder mit Roti (Fladenbrot) oder überraschenderweise mit Reis gibt. Es ist echt eine richtig gute Abwechslung zum Dal Bhat und schmeckt auch super - vor allem wenn es noch eine Art Jogurt dazu gibt.

Mittags gibt es immer ein Tiffin, also eine Kleinigkeit zum Essen. Das variiert von Milch über Nudelsuppe, Instant noodles, fried rice, scharf angebratene Nudeln bis hin Keksen, Donats, Puff (trockenes Blätterteigteil) und trockenreis. Man hat definitiv seine Favoriten. :)

  Milchreis... juhuu schon wieder Reis      Vogelfutter?

Die Nepalesen können aber nicht nur Dal Bhat kochen. Obwohl wirklich jeder Nepalese mindestens 2x am Tag Dal Bhat isst auch wenn sie was anderes kochen könnten. Für uns fast unverständlich wie man sein ganzes Leben lang immer nur das Gleiche essen kann…

Hier mal ein paar leckere andere Gerichte die man in jedem Garagenschuppen für umgerechnet 60 cent bis 2 Euro in der Gegend bekommt:

Pakoda (so wie Gemüsebratlinge)   Chowmein (gebratene Nudeln)   einfachstes Essen: Kichererbsen mit Kartoffeln   Momos (bisschen so wie Maultaschen)

 

 

Campfire :)

Mittwoch, 21.02.2018

 

big family all together

einfach ein unbeschreiblicher Abend

Nepal als Entwicklungsland - Die Sache mit dem Müll

Donnerstag, 01.02.2018

Gestern haben wir uns für die Kinder einen speziellen Walk überlegt bei dem sie währenddessen verschiedene Aufgaben erledigen müssen. Die wichtigste Aufgabe war diese: "Sammelt so viel Plastikmüll wie ihr könnt!" - nichts leichteres als das in unserer dreckigen Stadt. Da es eben Kinder sind und die nicht einfach mal so freiwillig Müll aufsammeln haben wir das Ganze als eine Art Challenge verpackt wobei sie neben der ersten Aufgabe noch alle parkenden Motorräder zählen und ein Foto mit einem Hund machen mussten. Bewaffnet mit einem riesen großen Müllsack und Handschuhen ging es los…und ob ihr es nun glaubt oder nicht, die Motivation war sogar so hoch, dass neben dem einen Müllsack sogar noch komplette leere Reissäcke bzw andere Plastiktüten die einfach auf dem Boden lagen mit Müll gefüllt worden sind.

              Beste Gruppe :)             

Stört es die Menschen nicht wenn sich direkt vor ihrer Haustüre oder im Hinterhof eine kleine Müllhalde befindet, die sie noch dazu selbst verursacht haben?

Vor 2 Monaten war ich im Dorf Nargakot zusammen mit unserer Didi bei ihren Verwandte(http://luisagoesnepal.auslandsblog.de/die-hochzeit-der-schoenste-tag-des-lebens/) und zu meiner Überraschung gab einen kleinen, schon ziemlich vollen Mülleimer direkt vor der Hütte. Am nächsten Tag war dieser leer. Die Tatsache, dass überhaupt ein Eimer da steht und sogar regelmäßig geleert wird lies in mir Hoffnung aufkeimen, dass das Müllproblem vielleicht nur in Kathmandu Oberhand gewonnen hat. Bis ich drei Schritte weiter lief und hinter den Mülleimer geguckt habe und gesehen habe wo sich unserer Kekstüten von gestern jetzt befinden: mitten unter einer wunderschön grünen Bananenpflanze!

Auf die Frage warum bekam ich erst einmal einen ziemlich verwirrenden Blick zugeworfen bis mir dann bewusst geworden ist, sie kennen es gar nicht anders! Sie wissen auch nicht, dass es in anderen Teilen der Welt anders ausschaut, geschweige denn eine Müllentsorgung gibt - für sie ist das also das normalste der Welt.

In Kathmandu stört es die Menschen vielleicht schon eher - sie haben schon anderes gesehen und bestimmt würden viele gerne in einem sauberen Umfeld leben. Da spielt leider das Geld wieder mal eine große Rolle. Denn jeder Miethaushalt muss für die Müllabfuhr selber zahlen, ist also auch selber verantwortlich dafür. Zahlt man nicht den hohen Betrag, der verlangt wird, dann kommt der Lastwagen eben einfach nicht. Wenn man wirklich am Rande der Existenzgrundlage lebt und auch dafür habe ich gleich ein Beispiel, dann ist das natürlich keine Überlegung wert denn da gilt einfach: Essen oder eine warme Decke ist mehr wert als die Müllabfuhr.

Slums in Kathmandu     

Doch hier im Hintergrund sieht man eine Villa - denn auch solche Viertel gibt es hier in Kathmandu. Warum es dann so ausschaut verstehe ich wirklich nicht:

  

Da fehlt dann einfach die Einsicht oder das fehlende Verständnis für die Umwelt. Vielleicht liegt das auch der Tatsache zu Grunde, dass zu wenig über die Notwendigkeit der Umweltschützung aufgeklärt wird. Die jüngere Generation, das sehe ich am Beispiel unserer Kinder, versteht schon vereinzelt, dass der Müll nicht einfach auf dem Boden geworfen wird. Das hat in unserem Haus auch einen sehr hohen Stellenwert, denn die Kinder hören den Satz "put it in the dustbin" tagtäglich von uns. Und auch in der Schule bzw, in den Schulbüchern wird ausführlich über das Thema Müll geredet doch da stellt sich wieder die Frage, was bringt das wenn die Kinder sowieso nur auswendig lernen und somit nicht verstehen beziehungsweise umsetzten können.

Trotzdem kann man in Ansätzen beobachten, dass das Müllprobem von der Regierung erkannt wurde: In Bhaktapur, das ist neben Kathmandu eine der drei Königsstädte vom Kathmandu Tal, habe ich bei meinem letzten Besuch überraschender Weise das hier entdeckt:

Hier ist es sogar so weit fortgeschritten, dass man von Mülltrennung sprechen kann. Natürlich, Bhaktapur hat Geld, die Stadt wurde finanziell nach dem Erdbeben sehr stark unterstützt - zum einen auch weil es eine Touristenattraktion ist. Doch ich sehe es als einen positiven Anfang an und genauso hoffe ich, dass unser Müllspiel wenigstens nur ein klein bisschen das Verständnis für unseren grünen Planeten bei den Kindern und vielleicht auch bei den verdutzt drein guckenden Nachbarn entwickelt hat.

Happy Saraswoti

Dienstag, 23.01.2018

Saraswoti, the goddess of knowledge - natürlich ist das hier in Nepal und im Haus der Hoffnung einer der wichtigsten hinduistischen Feiertage. An dem Tag verehren vor allem Schüler aber auch Künstler und Musiker die Göttin Saraswoti, da sie ihre Ausbildung ihr zu verdanken haben. Bücher, Stifte, Hefte alles wird verehrt und bekommt sogar eine Tikka von den Schülern. Ich habe es leider nicht mit eigenen Augen gesehen doch finde ich diese Geste schon ziemlich amüsant. Eine Besonderheit hat dieser Tag auch vor allem für die Schulanfänger. Sie schreiben an diesem Tag ihren allerersten Buchstaben und zwar an den Saraswoti temple in Swyambhu. Es heißt, dass dieser Tag auch der Beste ist um neues auszuprobieren und neues zu erlernen. Das habe ich natürlich auch gleich ausprobiert und habe meinen unglaublich großen Nepali-Wortschatz um einiges erweitert ;) tongue-out

Doch jetzt einmal zu unseren Kids. Wir wurden nämlich zu diesem besonderen Anlass eingeladen mit in die Schule zu kommen um das Fest mit ihnen zusammen zu feiern. So ging es dann also letztendlich schon um 7 Uhr morgens los, nachdem wir erstmal eine Stunde um 6 Uhr im Hof standen und verdattert geguckt haben als die Kinder noch nicht bereit waren so wie eigentlich ausgemacht und stattdessen Film geschaut haben… typisch Nepali time eben.

Die Fahrt mit dem Schulbus war mal wieder ein Highlight an sich und mit 5 lachenden Kindern auf dem Schoß ist der Ärger über das viel zu frühe Aufstehen auch schon wieder vergessen. In der Schule wurden wir wieder mit einem herzlichen Namaste (Hallo auf Nepali) von den Lehrern begrüßt und waren gleich wieder mittendrin bei unseren Kindern.

An diesem Fest gab es in der Schule keine so große besondere Zeremonie. Jeder Schüler und auch wir bekamen auch eine Tikka von den Lehrern, dann gab es Essen und am Ende haben verschiede Schülergruppen getanzt und auf der Bühne performt - natürlich war ich ganz stolz als auch unsere Mädchen und Jungs auf die Bühne kamen und so richtig gezeigt haben was sie so alles geübt haben! Und dass wir Volunteers natürlich für die beste Stimmung überhaupt gesorgt haben könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen und ich glaub auch den Kindern hat es richtig gut getan in der "Öffentlichkeit" so eine Anerkennung zu bekommen.

Hier ein paar Fotos: (bitte auch die Bildunterschriften beachten - kommen wenn man auf das Foto klickt) laughing

im Schulbus

Smiti und Smit (Geschwister)

Dikshya bekommt ihre Tikka

mit Adam

scharfes Kartoffel-Blumenkohlgemüse mit süßem Brei und Obst

Das Fest

Das Schulgebäude

Hahaha genauso läuft es in Nepal im Straßenverkehr ab (ein Bild an der Schulwand)

 

 

Die Hochzeit - der schönste Tag des Lebens?

Donnerstag, 11.01.2018

Ganz spontan wurde ich Anfang Dezember von unserer Didi auf die Hochzeit der Nichte von ihrem Ehemann eingeladen (es wird noch komplizierter… :)). Ich konnte es gar nicht fassen, doch viel Zeit zum aufgeregt sein blieb nicht denn am nächsten Tag nach dem Frühstück sollte es auch schon losgehen in das Dorf Nuwakot, wo die Hochzeit stattfindet. Dann hieß es plötzlich um 6 Uhr morgens wir fahren in 10 Minuten los und noch völlig verschlafen standen wir 5 Volunteers bereit am Tor und warteten und warteten…es wäre schon auch ziemlich untypisch wenn in Nepal mal etwas früher losgeht als ursprünglich mal geplant.

Nun ist das ja jetzt das erste Mal, dass ich in ein nepalesisches Dorf gehe (abgesehen von meinen Wanderungen) und dort endlich das ganz einfache nepalesische Dorfleben kennenlerne. Es gibt einfach eine Straße, an der sich das komplette Leben abspielt. Ob Kinder oder ältere Opas, Schüler oder Ladenbesitzer - es scheint als trifft sich wirklich jeder hier um einzukaufen, auf den Bus zu warten oder einfach nur dazustehen und zu gucken. Genau das letztere ist wirklich eine Lieblingsbeschäftigung der Bewohner hier. :) Auch wir kamen natürlich an dieser Straße mit dem Bus an und zogen gleich unzählige Blicke auf uns. Man kann es ihnen aber auch nicht übel nehmen, denn wie wir mit unseren großen Wanderrucksäcken und Schlafsäcken aus dem Bus gestolpert kamen und dann plötzlich mitten drin standen muss für sie schon ein äußerst komisches Bild gewesen sein.

Mein Zuhause für die nächsten drei Tage war eine kleine Lehmhütte ein gutes Stück unterhalb dieser Straße mitten in Reisfeldern. Es gab genau zwei Räume: sozusagen ein Schlafzimmer wo einfach alle die anwesend waren mehr oder weniger geschlafen haben und in dem anderen Raum wurde gekocht. Als wir ankamen wurden wir gleich so herzlich empfangen und unzähligen Familienmitgliedern des Ehemanns von Binu Didi vorgestellt. Mit der Verständigung war das immer so eine Mischung aus Englisch, Nepali und den Einsatz sämtlicher Körperteile…was dann im Endeffekt mit der Hilfe von Dyksha, der Tochter von Binu Didi als Übersetzerin ganz gut geklappt hat.

Die Lehmhütte   Das Überbleibsel des Hauses vor dem Erdbeben, direkt hinter der Hütte   Das Klohäuschen   Wunderschön gelegen mitten im Grünen  

Schon früh am Nachmittag haben die Frauen Gemüse genschnitten und geputzt während die Männer das dann bei der Feuerstelle neben dem Haus gekocht haben. Auch für das Kochen wurde sich so viel Zeit genommen, keiner hat Stress gemacht und auch die 2 Hühner konnten noch für eine Weile den Duft des Essens genießen bevor es dann für sie ab in den Topf ging ( zu meinem großen Beileid muss ich an dieser Stelle dazu sagen). Und am Ende war das Dal Bhat wirklich fantastisch lecker, weil es doch total anders gewürzt war wie im Haus daheim. Ich war erst total verwirrt und habe mich ziemlich komisch gefühlt, denn wir fünf Volunteers haben als erstes Essen bekommen und die anderen haben dann erst viel später gegessen. Doch daran mussten wir uns gewöhnen, weil das ging die nächsten Tage immer so weiter.

Frauen beim Gemüse schneiden  Kochen bei der Feuerstelle - nicht zu vergessen auf dem Bild: Die tolle Hauskuh in ihrem Stall   Endlich :)

Ziemlich erschöpft von dem Tag machten wir es uns mit unseren Schlafsäcken auf dem Boden zusammengedrängt mehr oder weniger gemütlich und hofften auf eine ruhige Nacht (so dachten wir zu mindestens). Das dann die Nacht von ohrenbetäubender Musik, zu der die anderen draußen die ganze Nacht getanzt und gesungen haben, begleitet wird haben wir auch nicht wissen können. ;)

Links auf dem Boden haben wir Volunteers unsere Nacht verbracht

Der Hochzeitstag

Ein Tag bei dem alle Verwandten und Freunde schon morgens aufgeregt durch die Gegend laufen - nein nicht hier in Nepal. Auch hier war wieder Gelassenheit pur angesagt.  Und da auch niemand so richtig was mit uns anfangen konnte nahm uns der Ehemann von Binu Didi vor dem Frühstück noch mit auf einen Spaziergang. Wir dachten alle wir laufen vielleicht so ein bisschen in den Reisfeldern herum - doch daraus wurde eine Hügelbesteigung und da wir ja schon unsere Kurtas (traditionelle Gewänder) anhatten gestalte es sich doch als ein bisschen schwierig. 

Sonnenaufgang   Auf dem Walk durch das Dorf   Die Hauptstraße oberhalb der Hütten   Wir machen uns an die Gipfelbesteigung...   ...ein Glück schafften es unsere Mädchen auch mit ihren festlichen Hochzeitsschuhen   Es hat sich durchaus gelohnt :

 
Als wir dann endlich wieder am Haus ankamen hat sich tatsächlich etwas getan:
???
Das hier wurde vorbereitet, was es war und wozu es dient konnte uns keiner sagen. Eins war jedoch sicher, es handelt sich auf jeden Fall um Opfergaben an die Götter und es wird bestimmt bei der Hochzeit eine wichtige Rolle spielen.  Gegen Mittag kamen dann die ersten Gäste an, auch der Bräutigam kam mit seiner Verwandtschaft und alle warteten nun noch auf die Braut. Und diese kam dann auch. Wunderschön war sie in einen roten Sari gekleidet und unter dem Schleier über ihrem Gesicht konnte man das starke Makeup noch gut erkennen. (Bilder von ihr kommen noch nach).Von Binu Didi wurde sie .zu der geschmückten Stelle geführt, die sich nun als den Ort der Trauung herausstellte und der Bräutigam und alle anderen warteten schon gespannt. Dann folgten einige Zeremonien von denen ich leider sehr wenig verstehen konnte - mal wieder aufgrund der Sprachbarriere... 
Irgedwann nach einiger Zeit folgte dann auch ein sehr leckeres Essen.
Wir bekamen wieder als eine der ersten Essen, ich habe das Gefühl dass wir teilweise die größere Aktion als die Braut selber waren...  🙈 Auffallend war, dass mit uns nur die Männer gegessen haben, bevorzugt auch nur die männlichen Verwandten des Ehemanns - die anderen erst eine ganze Weile später. Das zeigt dann mal wieder, dass dadurch das sie reicher sind auch wieder höher gestellt werden.   
Die Braut verweilte immer noch am gleichen Fleck mit der gleichen sehr traurigen Miene als nach dem Essen die Geschenke überreicht wurden.  Wirkliche Freude hat sie in diesem Moment auch nicht ausgestrahlt, den Blick immer nach unten gerichtet hat sie jedes Geschenk einmal berührt - ihre Augen strahlten unverändert Traurigkeit aus.  
Kurz danach war scheinbar Aufbruchstimmung angesagt und damit mussten wir unvorbereitet mitzugucken wie die Braut weinend in einer Holzkarre weggetragen wurde.  Danach war die Stimmung kurzzeitig gekippt, die Verwandten weinten und auch für uns Volunteers war dieser Anblick mehr als erschreckend und wir waren erstmal ziemlich niedergeschlagen und geschockt.
 Die Füße der Braut werden gewaschenVerwandte und die Nachbarn wurden eingeladen    Die Braut und der Bräutigam   Fried rice mit Kokusnuss, scharfe Kartoffeln, Kichererbsen, Krabbenchips, Pickle...alles was das nepalesische Herz begehrt und mittlerweile auch meins :)
 
Doch kurze Zeit später dröhnte wieder nepalesische Musik und es wurde bis tief in die Nacht getanzt...jaa auch ich kann jetzt schon die tollsten Nepalitänze...naja so ein bisschen zumindest 😂 
 Das man dann so viel Spaß hat und das eigentlich in einer komischen Situation da die Hauptpersonen nicht mal mehr anwesend sind ist schon etwas das schwer zu verstehen ist. 
Partytime  
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Wenn ich jetzt eine arrangierte Hochzeit zu der Farbe weiß oder schwarz zuordnen müsste würde ich im Moment dunkelgrau sagen. Natürlich, einer Frau, die aus ärmlicheren Verhältnissen stammt, kommt ein reicher Mann auf längere Sicht finanziell gesehen sicherlich zul Gute. Und es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass aus der Ehe noch richtige Liebe füreinander entsteht, wie zum Beispiel bei unserer Didi und ihrem Ehemann gesehen. 
Doch im Moment ist diese Art der Heirat immer noch sehr befremdlich für mich.  Vielleicht lag es an der Tatsache, dass wir unvorbereitet in so eine Situation hineingeraten sind, vielleicht auch einfach zu wenig verstanden haben, vielleicht auch einfach der Gedanke an unsere Hochzeiten die so oft die schönsten Tage des Lebens sind. Ob es das auch ist wenn die Braut an diesem Tag immer den Tränen nahe ist und das nicht vor Glück?!  
 
Auf jeden Fall waren diese Tage im Dorf und die Hochzeit eines der aufregendsten Erlebnisse hier in Nepal und ich habe so viele unglaublich liebe Menschen kennengelernt. Wie ich mich mit jemanden verständigen kann obwohl ich kein Nepali und er kein Englisch sprechen kann fragt ihr euch? Ganz einfach - nämlich mit diesem Lächeln egal ob von jung oder alt:
               

Was gibt's so neues aus dem Haus der Hoffnung … Ferien und Weihnachtszeit haben begonnen

Donnerstag, 07.12.2017

Da es zu Unruhen und Streiks in der Stadt während der Lokalwahlen in Nepal kommen kann, haben die Kinder 5 Tage lang sozusagen Ferien. Das heißt auch für uns Volunteers wieder mehr Arbeit, da wir dann endlich mal mit unseren Kids mehre Aktivitäten und Spiele machen können. Während der Schulzeit ist es nämlich zur Zeit so, dass dafür einfach nie die Zeit bleibt da der Tag mit Study time, kurzes 10 Minuten spielen, frühstücken, in die Schule gehen, nochmal Study time, Abendessen und dann noch einmal study time dann doch ziemlich schnell zu Ende ist. Doch jetzt in den Ferien merkt man auch richtig, wie wichtig es ist für unsere Kinder mal ganz in Ruhe Federball zu spielen, so lange zu tanzen wie sie wollen und auch einmal ein Memory beenden zu können. So haben wir oft zwar nicht so richtig viel zu tun, sonnen uns eher im Hof aber wenn dann zwei von unseren Kleinen her kommen und ein Buch lesen wollen dann sind wir natürlich für sie da und ich freu mich dann auch immer riesig. Manche von den Mädchen hatten sich eine Talentshow gewünscht - singen, tanzen, Einrad fahren, es war alles dabei und hat den Kindern und auch uns Volunteers total viel Spaß gemacht.

.Die Talentshow - zeigt was ihr könnt!   Ishwor und Namrata feuren kräftig an  

Nun ja, auch hier hat jetzt so langsam die Vorweihnachtszeit begonnen. Da ich gedacht habe, dass es hier so ziemlich gar nicht weihnachtlich wird wenn man den ganzen Schnee und die Plätzchen mit unseren sonnigen 20-Gradtagen und ein paar Keksen vergleicht bin ich doch ziemlich positiv überrascht was wir doch schon alles schönes gemacht haben. Unser selbstgebastelter Adventskranz mit Teelichtern wurde am 1. Advent schon eingeweiht, im Haus läuft rauf und runter Weihnachtsmusik und auch die Kids haben wir schon dazu animiert Weihnachtsbilder zu malen. Wer es nun glaubt oder nicht, naja wir konnten es jeden Falls nicht fassen…sogar der Nikolaus schaffte es am 6.Dezember bis nach Nepal. :)

Unser toller Adventskranz       Es weihnachtet sehr...:)

Nichtsdestotrotz vermisse ich jetzt schon die ganzen Plätzchen, Christkindlmärkte, Lebkuchen und und und… natürlich auch meine Familie und lieben Freunde. Doch jetzt bin ich auch schon bei der Halbzeit angelangt und es gab bisher keinen Tag an dem ich meine Entscheidung hier her zu kommen bereut habe. Es gab natürlich schon Tiefs aber auch die übersteht man und ich habe schon so unglaublich viele unvergessliche Momente mit unseren süßen kleinen Kids verbracht, war im Himalaya wandern bis auf 5000m hoch, habe die unglaubliche Freude der Nepalesen mehr als viele Male zu spüren bekommen und hatte auch total viel Spaß mit den anderen Volunteers… und jetzt bin ich ziemlich gespannt was noch so die nächsten 3 Monate auf mich zukommen wird.

Nun wünsche ich euch allen eine schöne, stressfreie und besinnliche Weihnachtszeit!  innocent

Meine Erlebnisse auf dem Mardi Himal Trek

Dienstag, 14.11.2017

Vor zwei Wochen ging die Fahrt los in die Stadt Pokhara von der dann auch unsere 7 Tages Wanderung startete. Wenn ich jetzt von wir spreche dann meine ich ausnahmsweise mal nicht die anderen Volunteers...nein im Moment habe ich Besuch von meiner lieben Tante und ihrem Freund und habe deshalb gleich mal die Gelegenheit genutzt um mit ihr ein bisschen das Land außerhalb von Kathmandu zu erkunden.  Denn dort ist es inzwischen extrem staubig geworden und meine Lunge sehnt sich ganz dringend nach frischer Luft. Dass ich die erst nach 9 Stunden schlafloser Fahrt im Touristenbus der sich schaukelnd die Serpentinen hinaufschlängelt bekomme hat mich dann aber doch ein bisschen auf die Folter gespannt. Doch am nächsten Tag geht es auch schon los...

Mein kleines Reisetagebuch:

Der erste Tag: Noch völlig überfordert mit meinem viel zu schweren Rucksack geht es zusammen mit unserem Guide hoch in die Höhe, erst einmal gemächlich unzählige Treppenstufen hinauf und schon am Mittag finden wir uns in einem ziemlichen urigen Farmerhaus wieder. Dort sagte unser Guide, dass wir hier Dal Bhat zu essen bekommen würden - nun ja erst einmal durften wir bei der Vorbeitung helfen: 

Weg zum Farmhaus    Und jetzt heißt es schneiden - mitten auf dem Boden

Nach dem kräftezehrenden Aufstieg von Pokhara hoch wird die Route jedoch gemächlicher. Nach unserem leckeren Mittagessen durchqueren wir Reisfelder und kleine Dörfer, in denen wir den Dorfbewohnern bei ihren alltäglichen Leben und Arbeiten zusehen dürfen.

Einheimische bei der Reisernte     An Reisfeldern und kleinen Dörfern vorbei

Am Spätnachmittag erreichten wir auch schon unser erstes Guesthouse in dem wir übernachten - sozusagen ist das schon einmal die erste Bewährungsprobe ob wir denn dem Hüttenleben hier im Himalaya gewachsen sind. Denn dies sind keinesfalls Berghütten so wie wir sie kennen von den Alpen.

Ersteinmal kann es sein, dass ihr überhaupt kein Zimmer in der Lodge bekommt und dann mitten im Dining room zwischen singenden Porters und Guides euren Schlafplatz auf einer Holzbank genießen dürft. ( Das ist uns zum Glück nie passiert). Wenn man in den Genuss eines eigenen Zimmers kommt dann muss man sich es ein bisschen so wie eine Kältekammer vorstellen, denn leider hatte es ganz oben auch in unserem Zimmer um die 0 Grad - doch mit einem Schlafsack und Decken ist das doch alles kein Problem oder?! Der ein oder andere mag vielleicht denken, dass man sich ja mit einer heißen Dusche aufwärmen könnte - tja also eine warme Dusche gab es tatsächlich einmal, leider fast ganz unten, oben jedoch waren wir froh wenn es überhaupt ein bisschen Wasser zum Trinken auffüllen gab. Zähneputzen hat man auch einfach wo man wollte gemacht da es so ein richtiges Waschbecken eigentlich sowieso nirgendswo gab.

Für uns ist dies alles jedoch meist überhaupt kein Problem, nur die Kälte macht uns doch manchmal zu schaffen. Den Rest nehmen wir mit Humor und haben definitiv unseren Spaß!

Als Beispiel das Middle Camp

Nun aber zurück unserer Tour, wir befinden uns ja gerade mal auf 1600m Höhe am 1. Tag. Der nächste Tag bringt leider nicht den versprochenen Sonnenaufgang doch geht es gleich weiter hoch, unser Weg führt uns durch wunderschöne Rhododendronwälder wo teilweiße die bunten nepalesischen Gebetsflaggen durch den dichten Nebel herausstechen. Während der Wanderung kommen wir natürlich auch viel mit unserem Guide ins Gespräch und er erzählte uns, dass diese Gebetsfahnen mit ihren Farben und Mantras Symbole des Glücks und des Friedens sind.

Durch den wunderschönen Dschungel    Nepalesische Gebetsfahnen 

Angekommen bei unserer nächsten Unterkunft erhaschen wir auch endlich einen Blick auf "unseren" Berg, Machhapuchchhre, dem wir uns immer weiter nähern.

  Machhapuchchhre, im Vordergrund Mardi Himal

 

Fröhlich nach einem atemberaubenden Sonnenaufgang machen wir uns am nächsten Tag auf dem Weg ins High Camp doch wir werden leider gezwungen im Low Camp einen etwas längeren Stopp einzulegen. Seht doch selbst:

  Sonnenaufgang :)    Da war noch schönes Wetter...    Winterwonderland :)

 

Dieser Wetterumsturz hält uns jedoch nicht davon ab weiter zu gehen. Wir sind schließlich noch lange nicht ausgepowert für heute also stampfen und rutschen wir zusammen mit unserem Guide durch den Schnee den Berg hinauf. Eine unglaubliche Ruhe hat dieser Weg in sich, wir begegnen wirklich keiner Menschenseele und lauschen nur unseren eigenen Schritten im knirschendem Schnee, beobachten wie einzelne Sonnenstrahlen ihren Weg durch das dichte Blätterdach finden - eine wirklich sonderbare Stimmung.

Wanderung durch den Schnee

Hoch zum High Camp (3900m)geht es dann jedoch erst den nächsten Tag, da es bei diesem Wetter und der angehenden Dämmerung zu gefährlich ist. Ab dem Rest Camp (der Lodge wo wir übernachtet haben) verändert sich nun auch die Vegetation, denn wir befinden uns nun endlich über der Baumgrenze. Wir kommen sehr schnell am High Camp an und nutzen die Zeit um uns zu akklimatisieren und uns auf den morgigen Tag vorzubereiten.

Picknickplätzle auf dem Weg zum High Camp

Denn dieser beginnt schon um 4 Uhr morgens . Eingepackt in alle möglichen Klamotten die wir dabei haben, ausgerüstet mit Stirnlampen und diesmal ohne Rucksack bricht nun die letzte Etappe zum Mardi Base Camp an. Die letzten … m liegen noch vor uns. Im Dunkeln laufen und klettern wir nun möglichst schnell hoch um zum Sonnenaufgang beim ersten View Point zu sein. Doch die Höhe macht uns ganz schön zu schaffen und irgendwie war dann die Sonne doch schneller als wir…

Als wir dann beim ersten View Point der auf 4200m liegt angekommen sind wurden wir mit einer unglaublichen Sicht auf das ganze Annapurna Bergpanorama belohnt. Und nicht zu vergessen - natürlich liegt jetzt auch der Mardi Himal vor uns.

Am View Point auf 4200m mit Sicht auf Anapurna South  

 

Aufgrund der Höhe sind wir doch ziemlich geschafft und zweifeln, ob wir es wirklich noch bis zum Mardi Base Camp schaffen. Doch der Ehrgeiz ist stärker! Tapfer schlagen wir uns auf dem Grad die letzten 300 Höhenemeter nach oben, vor uns der Mardi Himal, neben uns 8000er Berge und hinter uns ein Meer aus Wolken.

Vor uns kommen plötzlich Gebetsflaggen in Sicht und nach letzten langsamen Schritten haben wir endlich das Mardi Base Camp geschafft und befinden uns in allerschönster Ruhe auf 4500m umrundet von überwältigenden Bergen.

 MBC 4500m   Standing on my hands at 4500m

Das waren wirklich ungaublich aufregenede Tage und ein richtig schöner Urlaub mit meiner Tante. Ich kam sogar des öfteren in Genuss eines Käsebrötchen oder einem Schokobrownie, die ich jetzt schon wieder ziemlich vermisse. Mittlerweile bin ich schon seit einer Woche zurück bei meinen anderen Volunteers und Kids und sozusagen wieder voll im Alltag mit eingespannt - wo ich jedoch auch schon jede Menge neues erlebt habe...dazu aber das nächste Mal mehr.

An alle die im Moment im kalten Deutschland erfrieren schicke ich ganz liebe sonnige Grüße aus Kathmandu. Bis bald laughing

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über einen Monat ists her und so vieles hat sich verändert...

Sonntag, 15.10.2017

Könnt ihr es glauben, dass es jetzt schon über einen Monat her ist das ich meine Familie am Bahnhof verabschiedet habe meinen Fuß in das Flugzeug gewagt habe und das ich jetzt wirklich hier angekommen bin, in Nepal?

Also ich kann dies alles erst jetzt nach einem Monat so wirklich realisieren. Die ersten Tage hier, das weiß ich noch ganz genau, war ich wie im Rausch - so gebannt und unglaublich überwältigt von allen neuen Eindrücken. Die Stadt an sich ist mir so bunt vorgekommen, den Verkehr habe ich noch ganz skeptisch betrachtet und habe bei jedem sich nähernden Motorrad gehofft er würde mich jetzt bitte sehen und nicht zusammen fahren… Ich war teilweiße insgeheim verärgert über die Kinder, wenn überhaupt keine Motivation da war obwohl wir uns so viele Gedanken gemacht hatten, habe mich geärgert warum der Fernseher den ganzen Tag lief und konnte nicht so richtig verstehen warum manches einfach so grundlos aus dem Ruder gerät. In den letzten Wochen jedoch habe ich nun viele, teilweise wirklich schockierende Heimat und Hintergrundgeschichten von den Kindern erfahren und wenn ich dieses Kind dann jetzt hier sehe wie es mit einem strahlenden Lächeln auf mich zukommt - da verfliegen alle diese Gedanken ganz schnell und ich bin einfach nur so froh, dass es ihnen hier allen so gut geht!

Ich habe mir doch schon auch über einige negative Erfahrungen viele Gedanken gemacht, über die Situationen viel nachgedacht - doch jetzt fange ich an ein gewisses Verständnis zu entwickeln. Man kann nicht von Akzeptanz reden doch man lernt hier mit der Zeit vieles Ungewohntes und Neues zu verstehen und im Endeffekt auch hinzunehmen.

Als Beispiel was ich damit meine: Seit einiger Zeit versuche ich mit ein paar Kindern zu turnen und eine Choreografie für das anstehende große Fest am Samstag ( Tihar) auf die Beine zu stellen. Meine Mädchen sind eigentlich schon ziemlich motiviert, doch wie sollen wir üben wenn wir nie einen Raum zu Verfügung haben? Der wird nämlich in der Zeit wo wir üben hätten können von der Tanzlehrerin besetzt. Anmerken möchte ich hier natürlich, das ich es toll finde das unsere Kids die Möglichkeit haben professionellen Tanzunterricht zu bekommen ( schaut echt richtig gut aus, die Nepalesen haben das "sich geschmeidig bewegen" scheinbar im Blut laughing). Dennoch wird von mir erwartet, dass die Choreografie vorzeigbar ist an Tihar. Vor ein paar Wochen wäre ich wahrscheinlich panisch umhergelaufen und hätte mich geärgert warum das alles nicht klappt, warum sich keiner darum kümmert! Jetzt sitze ich völlig entspannt auf unserer Dachterrasse (die Kids sind gerade in der Schule) und denke mir, dass man dem alles einfach nur Zeit geben muss…irgendwas werden wir schon zeigen können an Tihar, vielleicht läuft dann alles wieder anders als geplant und endet im Chaos aber wen kümmert das schon. Die Kids auf jeden Fall nicht und mich auch nicht. Das einzige ist: Wenn ich mit den Kids öfters üben könnte, dann würd ich auch selber öfters zu meinem Handstand kommen ;)

Es gibt noch unzählig viele, gerade kulurell bedingte Situationen, die ich erzählen könnte (wer daran interessiert ist mich bitte persönlich fragen) wo ich gerade anfangs völlig überfordert war und im Nachhinein betrachtet viel zu schnell geurteilt habe. Doch ich glaube dies sei mir erlaubt, denn es ist manchmal schon echt schwierig sich in eine doch so andere Kultur und Lebensweise hineinzuversetzten. Ich gebe mir jedoch sehr viel Mühe für so vieles wie Möglich ein Verständnis zu entwicklen und finde es weitherhin unglaublich spannend so viel Neues jeden Tag zu erfahren und zu erleben.  

Ich bin also jetzt so wirklich angekommen hier in meinem neuen Zuhause in Nepal, mit 100 süßen Kindern die so oft mitt einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht auf mich zukommen!

Happy Dashain - dieses Jahr jedoch nur mit 30 Kindern!

Mittwoch, 04.10.2017

Einerseits freuten wir uns alle auf die Ferien der Kids, weil wir viele Ideen und Workshops geplant hatten andererseits grauste es uns auch vor der Vorstellung 24/7 zu "arbeiten", da die Kids ja ständig betreut werden müssen. Doch das kam dann alles ein bisschen anders als ich eines Morgens aufwachte und das nicht von Kindergeschrei. Völlig perplex wo denn bitte alle Kinder hin sind kam ich zu den anderen Volunteers, die etwas gelangweilt unten saßen. Da ich Anfang der Ferien eher im Bett verbracht hatte, habe ich nicht mitbekommen, dass nach und nach immer mehr Kids von ihren Familien und Verwandten abgeholt wurden bis schließlich nur noch 30 übrig blieben. Da dann zusätzlich leider noch meistens der Fernseher läuft konnten wir unsere geplanten Workshops nicht starten und sitzen eher gelangweilt in unseren Zimmern. Das war schon ein bisschen schade, doch find ich es so schön, dass doch noch so viele Kinder Verwandten, machen sogar noch Eltern haben - das war mir gar nicht so bewusst.

Das Dashain Festival

Letzten Samstag war es dann endlich soweit…das wichtigste hinduistische Fest steht bevor. Da stellte ich für mich nun die Frage: Wird das ein schönes Fest oder endet das alles eher im Chaos voller Nepaliungeplantheit? Lasst euch überraschen!

Angefangen hat es eigentlich schon die vorherigen Tage was man daran gemerkt hat, dass plötzlich nur noch unglaublich wenige Autos unterwegs waren (sie sind fast sogar in einer Reihe gefahren auf der Straße) und auch die Geschäfte schlossen alle im Laufe der Tage. Leider nicht unser "Metzgerei" direkt vor der Haustüre - nein die macht während des Dashain Festivals ihr Jahresgeschäft. Der Grund dafür ist nämlich der, dass es an Dashain Ziege zum Festmahl gibt. Darum "musste" ich schon die Tage davor Blutlachen und die Innereien der Ziegen auf dem Weg ertragen. Für die Nepalesen ist die Ziege natürlich das Highlight schlechthin, da grundsätzlich sonst Fleisch für die meisten zu teuer ist.

An Dashain werden traditionell neue Klamotten geschenkt und so haben auch unsere Kids schicke neue Trainingsklamotten bekommen, wo sie wirklich sehr sehr stolz drauf sind. Der Samstagmorgen fing dann mit einer Portion Milchreis mit scharfem Pickle an. Normalerweise essen die Nepalesen an Dashain bis es die Tikka gibt gar nichts, aber für die Kids wäre es bis Mittag einfach zu lange (auch für mich laughing)

Davor haben wir erstaunt zugesehen wie etwas komisches braungrünes über die Türe geschmiert worden ist, was sich dann im Nachhinein als Kuhmist herausgestellt hat… noch schnell ein paar grüne Gräser und die Tikka drauf und fertig.

Um fünf vor 12 war es dann auch soweit - die Tikka wird an uns verteilt. Das ist so ein Gemisch aus Reis, Jogurt und dem roten Tikkapulver das von dem Hausältesten auf die Stirn gemalt wird. Uns wurde dann noch ein grünes Gras in die Haare gesteckt und zusätzlich bekamen wir Praktikanten einen Teller voller Obst, sozusagen unser Geschenk. Was hat es jetzt damit auf sich? Nun ja soweit ich es verstanden habe ist die Tikka so etwas wie der Segen Gottes, den bekommt man ja auch bei jedem Tempelbesuch. Unser Obst war unser Geschenk, so wie die Kids ihre neuen Trainingsanzüge bekommen haben. In den Familien werden auch neue Klamotten verschenkt, es hat so ein bisschen Ähnlichkeit zu unserem Weihnachten. Nach der Zeremonie gab es dann Dal Bhat mit Ziege, oder natürlich auch die vegetarische Form mit Gemüse. Das ist dann wirklich das erste Mal wo bei den nepalesischen Familien gegessen werden darf.

Eigentlich wird an Dashain traditionell eine große Schaukel aus Bambus, die Dashain Schaukel aufgestellt. Doch leider wurde das dieses Jahr nicht gemacht, da nur so wenige Kinder noch im Haus waren - fand ich persönlich sehr schade, da die dagebliebenen Kinder sowieso schon traurig waren, da sie keiner abholen kam und das meiner Meinung nach eine sehr schöne Geste gewesen wäre. Der Nachmittag verlief dann eher ruhig mit den ein oder anderen Spielchen und leider hat auch oft der Fernseher uns abgelöst.

Irgendwie hat mich der Tag ziemlich überrascht, ja sogar an manchen Punkten etwas enttäuscht. Das soll jetzt überhaupt keine Anklage sein oder etwas an dem ich meckern möchte - nein ganz und gar nicht! Manchmal ist es einfach so, dass man so eine komplett andere Vorstellung vor etwas hat als es dann in Wirklichkeit ist. Ich bin in den Tag gestartet mit dem Gefühl, dass das ein ganz besonders aufregender Tag wird für die Kinder und unsere nepalesische Familie mit viel Trubel und einem großen Fest. Als dann quasi den ganzen Tag der Fernseher nonstop lief und irgendwie doch nicht so viel gefeiert wurde war ich einfach ein bisschen verwundert. Ich habe erfahren, dass Dashain eher ein besinnliches Familienfest ist wo jeder auch ein bisschen in sich kehrt und nachdenklich ist. Nun ja manchmal überrascht einen die Wirklichkeit doch ziemlich…aber es gab für mich an dem Tag trotzdem einige Momente die ich nicht so schnell wieder vergessen werde! :)

Der Kuhmist über unserer Eingangstür   Stolz auf die neuen Trainingsanzüge    Zeremonie wird vorbereitet     Ich bekomme meine Tikka ;)    mit meinen zwei lieben Mädels   Little Family    Mit den Jungs auf der Dachterasse

 

 

 

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